Und wenn du etwas kaputt machen musst…

Filme sind ein fester Bestandteil meines Lebens – sogar ein essentieller Bestandteil. Ohne die ungeheure Macht des Films, wäre ich nicht derjenige, der ich heute bin. Ist das gut so? In meinen Augen könnte es nicht besser sein.

Ich glaube es ist schon fast ein Jahr her. Ein Freund erzählte mir von einem Film der demnächst anlaufen würde. Die Verfilmung eines Buches mit dem Titel „Sieben Minuten nach Mitternacht“. Scheinbar ein Kinder- oder Jugendbuch. Im Original „A Monster Calls“. Der Trailer verspreche grandioses Kino, meinte er. Mein Kumpel versteht was von Film und noch wichtiger, er ist einer der wenigen der über den Tellerrand der Konvention hinausblicken kann. Und er kann fantastische Filmkritiken schreiben.

Der Trailer war dann auch grandios und hat viel, viel versprochen – und am Ende mehr als eingehalten!

Meinem Auftreten nach, bin ich eine harte Socke. Ein durchaus freundlicher Mensch, lustig und zuvorkommend ABER schwer einzuschätzen. Durch die schweren Jahre bin ich ziemlich abgebrüht geworden. Vom Hocker oder gar aus dem Gleichgewicht haut mich so leicht nichts mehr. Ich bin immer noch der emotionale „Künstler“, immer noch jemand der Gefühle bei anderen gezielt wecken kann, aber es braucht mittlerweile Einiges um meine harte Schale zu knacken.

Conor O‘Malley ist zwölf Jahre alt, seine Mutter hat Krebs im Endstadium, sein Vater hat die Familie verlassen und er hasst seine Großmutter die sich dauernd in sein Leben einmischen will. Ach ja, verdroschen wird er in der Schule auch regelmäßig.

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Eine schauspielerische Offenbarung – Lewis MacDougall
Die Grundzüge der Geschichte bedienen alle gängigen Klischees eines klassischen Hollywood-Dramas – ohne jedoch in diese abzurutschen. Nicht auszudenken was andere Regisseure aus der Buchvorlage gemacht hätten. Dazu später aber mehr.

Die Vorlage bildet der Jugendroman „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und Siobhan Dowd. Ness hat den Roman nach einer Storyskizze von der verstorbenen Dowd geschrieben. Leider hatte ich noch nicht die Zeit mehr über den background zu recherchieren. Diese Infos habe ich dem Vorwort des Buches entnommen. Mehr dazu demnächst in einem eigenen Artikel. Den Roman habe ich mir zugelegt nachdem ich den Film gesehen habe. Und ja, du kannst dies auch getrost machen. Das Buch ist nicht besser als der Film und anders herum auch nicht. Sie bilden eine perfekte Ergänzung und stehen jedes für sich ganz allein und doch irgendwie zusammen.

Connor ist innerlich völlig zerrissen. Seine Mutter liegt im Sterben. Sein Vater hat die Familie vor einiger Zeit verlassen um mit einer anderen Frau ein neues Leben weit weg in den USA zu beginnen. Inklusive Kind natürlich. Der größte Feind in Connors Leben ist nicht der Schüler der ihn jeden Tag hänselt, sondern seine Großmutter.

Egal ob du nun nur das Buch liest oder nur den Film anschaust (am besten beides), du wirst dich mit der Hauptfigur sofort identifizieren können. Wenn nicht, dann stimmt etwas mit deinen Gefühlen nicht. Auch wenn dein Schicksal nicht die Ausmaße Connors hat, trifft die Geschichte mitten ins Herz.

Connor braucht das Monster. Er ruft es unterbewusst um mit der Realität klarzukommen. Er braucht es, damit es ihm die Augen öffnet. Dies wird ihm aber alles erst zu einem späteren Zeitpunkt klar. Und bis zum Moment der Erkenntnis – den man als Zuschauer die ganze Zeit über erahnt aber genauso wenig wahrhaben will wie Connor – führt uns der Regisseur Juan Antonio Bayona zurück zu uns selbst. 

Die Geschichte weckt Urängste in uns – jedoch ohne uns mit diesen alleine zu lassen. Die Tragik in Connors Geschichte ist nicht die eigene, aber man kann in jeder Sekunde Parallelen zur eigenen Geschichte schließen. Und in solchen Augenblicken ist das Monster nicht wegen Connor gekommen, sondern wegen einem selbst. 

Connor weiß das seine Mutter sterben muss. Verständlicherweise klammert er sich an jeden Strohhalm der den unvermeintlichen Ausgang verhindern könnte. So glaubt er, das Monster sein gekommen um seine Mutter zu retten. Er ist der festen Überzeugung das die Eibe die letzte Rettung sei. 

Und hier verschwImmt die Realität mit dem Traum. Ist es überhaupt ein Traum? Der Film ist so gut das man sich diese Frage komischerweise nie stellt. Der Film ist im Moment des Sehens die Realität und erst im Nachhinein beginnt man, sich Fragen zu stellen. Man macht sich danach auf die Suche nach Antworten. Und diese Antworten findet man nur wenn man sich die Mühe macht, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Im Film sieht die „Zusammenarbeit“ von Connor und dem Monster so aus: Das Monster erzählt Connor drei Geschichten – im Gegenzug muss Connor eine vierte Geschichte erzählen. Seine eigene. 

Und diese Geschichten haben es insich. Es sind keine einfach gestrickten Moralparabeln, sondern tiefgründige, fantastisch erzählte und inszenierte Kurzfilme die auch alleine für sich stehen könnten. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass sie als bester animierter Kurzfilm Chancen bei den Oscars hätten. 

Und dann ist da noch Connors Geschichte. Und seine Geschichte ist die von uns allen. Seine Geschichte ist der roten Faden der sich durch die gesamte Handlung zieht. Genaugenommen ist die gesamte Handlung seine Geschichte. 

Über diesen Film einen Artikel zu schreiben fällt mir schwer. Für eine nüchterne Betrachtung ist er mir zu wichtig, für eine normale Besprechung ist er zu wertvoll. Sieh ihn dir einfach an und bilde dir selbst eine Meinung. Lies, wenn du willst erstmal das Buch um einen Zugang zu finden. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist Horror, Fantasy, Jugenddrama und eine coming to age Geschihte in einem. Die großartigen special effects dienen nicht den schauderten oder dem Bombast, sondern unterwerfen sich der Geschichte. Die Musik ist einfach nur großartig, die Kamera phänomenal. Für mich einer der besten Filme aller Zeiten. 

Und was soll nun die Überschrift? Sieh dir einfach den Film an ?

Ein Gedanke zu “Und wenn du etwas kaputt machen musst…

  1. Filme sind ein essentieller Bestandteil Deines Lebens. Ist das gut so? Nicht unbedingt. Den wir haben auch geistige Bedürfnisse, die wir befriedigen wollen. Könne Filme die Frage beantworten, was der Sinn des Lebens ist? Können Filme zeigen, was die Bibel -Gottes inspiriertes Wort- wirklich lehrt? Klicke und siehe! https://www.jw.org/de/bibel-und-praxis/fragen/wurde-bibel-manipuliert-veraendert/ Interessante Frage. https://www.jw.org/de/bibel-und-praxis/fragen/urspruenge-von-halloween/ Wie versorgte Jesus die Versammlungen im ersten Jahrhundert mit geistiger Speise?
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